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Mechanismen der Mobilisierung.

Literatur: Kern 2008: Mechanismen der Mobilisierung. In: Kern 2008: Soziale Bewegungen.

 

Mechanismen der Mobilisierung

 

Protestbewegungen setzen an Konflikten an, die mit fortschreitender Modernisierung immer wieder neu aufbrechen. Die Protestbewegungen sind also gleichzeitig Produkt und Produzenten der Moderne (Kern 2008: 111).

Erfolgreiche Mobilisierungsprozesse sind nur möglich, wenn spezifische Bedingungen erfüllt sind, welche sich dem einzelnen Akteur entzieht (Kern 2008: 111).

Das folgende Kapitel beschäftigt sich mit den unterschiedlichen Theorien in der Protestbewegung und vor allem mit den Mechanismen die zur Entstehung mobilisierter Netzwerke führen (Kern 2008: 112).

 

Koalitionsbildung

 

Allgemeinen Annahmen zufolge, besteht der Kern darin, dass Menschen sich zusammentun, wenn sie ein gemeinsames Interesse haben. Nach Olsen (1968) erweist sich diese Annahme jedoch als falsch, sobald es um die Produktion von sogenannten Kollektivgütern geht. Kollektivgütern meint Güter, deren Konsum nicht teilbar ist- Meint das Individuum kann um ihren Nutzen nicht konkurrieren, oder lässt sich nicht auf den Nutzen eines einzelnen begrenzen, sondern kommen allen Mitgliedern eines Kollektivs zugute.  Typische Beispiele sind saubere Luft und Wasser oder militärische Sicherheit, Rechtssicherheit etc. (Kern 2008: 112f.).

Nach Olson ist es für die Individuen nicht rational einen Beitrag zu Kollektivgütern zu leisten, solange sie von der Teilhabe nicht ausgeschlossen werden können.

Dies bedeutet, die Mitglieder einer Interessensgruppe werden keinen Beitrag an den kollektiven Gütern leisten, solange sie die Maximierung ihrer selbst vor Augen haben. In der Struktur die Kollektivgüter ist also das „Trittbrettfahren“ verankert (Kern 2008: 113). Umweltschutz, Friede, soziale Sicherheit sind Kollektivgüter, von derer Durchsetzung alle Gesellschaftsmitglieder profitieren, auch wenn sie sich nicht dafür  engagiert haben. Darum leiden Protestbewegungen fortwährend unter Ressourcenknappheit. Olsens (1968) bringt als Ausweg aus diesem Dilemma so genannte selektiven Anreize. Als mögliche selektive Anreize für kollektives Handeln sind: psychisches Wohlbefinden, sozialen Status, Gemeinschaft etc. gemeint.

 

Davon ausgehend, lässt sich die Entstehung von Protestbewegungen als Koalitionsbildungsprozess interpretieren. Akteure schliessen sich zusammen, um ein gemeinsames Ziel zu realisieren. Kollektive Handlungsgrundlage ist eine bindende Vereinbarung zwischen Akteuren mit dem Ziel der Einflusssteigerung. Die Protestbewegung geht von einem Netzwerk von Individuen, Gruppen oder Organisationen aus, die untereinander zumindest teilweise, durchaus kollektiv verhandlungsfähig sind und sich auf gemeinsame Ziele einigen können (Kern 2008: 113).

 

Akteurkonstellationen

 

Kollektives Handeln setzt das Zustandekommen einer so genannten „kritischen Masse“ voraus (Oliver u.a. 1985). Die Kritische Masse ist eine Gruppe von Akteuren, die durch ihr Verhalten einen signifikanten Beitrag für das Zustandekommen dieser Phänomene leisten. Abhängig ist auch, welchen Beitrag die anderen bereits erbracht haben. Der Faktor Zeit spielt auch eine entscheidende Rolle für die Bildung einer kritischen Masse (Kern 2008: 115).

 

Es lassen sich vier Wirkungsfaktoren unterscheiden:

  • Der Verlauf der Produktionsfunktion
  • Heterogenität der Population
  • Netzwerkstruktur
  • Gruppengrösse

 

 

Organisationsgrad

 

Dazu gibt es zwei idealtypischen Mechanismen sozialer Koordination:

 

Das einseitige Übertragen von Kontrolle: Z.B Modetrends und aggressive Demonstrationen, hier handeln die Akteure in Abhängigkeit voneinander.

Im zweiten Fall wird die koordinierende Wirkung hingegen auf der Grundlage einer bindenden Vereinbarung über die Bündelung von Ressourcen von den Akteuren bewusst angestrebt. In dem die Akteure die Kontrolle über einzelne Handlungen und Ressourcen auf ein Kollektiv übertragen, erhalten sie im Gegenzug bestimmte Vorteile (Kern 2008: 119).

 

Der Übergang zwischen Koordinationsmechanismen ist dabei oft fliessend und die Bandbreite erstreckt sich von spontanen kollektiven Unruhen, bis zu hochgradig organisierten Widerstandsbewegungen (Kern 2008: 119).

 

Kollektive Identität

 

Die Ungewissheit über das Kooperationsverhalten von anderen lässt sich dadurch reduzieren, dass die Akteure eine maximale Übereinstimmung in ihren Werten und Zielen anstreben (Molm u. a. 2000: 1420). Somit kommt die kollektive Identität ins Spiel, der Identität einer Person um ein internes Modell, das verkürzt die wesentlichen Merkmale und Grundstrukturen der eigenen Persönlichkeit abbildet (Kern 2008: 120). Identität ist eine zwingende Voraussetzung für Handlungsfähigkeit. Dies gilt aber nicht nur für Personen, sondern auch für soziale Kollektive.

Sobald sich die Interaktion durch Verbreitungsmedien wie Schrift, Presse, Telekommunikation und Internet von der Bedingung der Anwesenheit ablöst, beruht der gemeinsame Handlungsraum zunehmend auf abstrakten Vorstellungen über die Zugehörigkeit zu einem sozialen Ganzen (Kern 2008: 120).

 

Es stellt sich nun die Frage, wie eine Koalition aus Personen die Repräsentation ihrer Einheit organisiert und dadurch die Wahrnehmung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden im Verhältnis zu ihrer sozialen Umwelt ermöglicht (Kern 2008: 120).

 

Es lassen sich drei Dimensionen kollektiver Identität unterscheiden:

 

  • Soziale Dimension
  • Sachliche Dimension
  • Zeitliche Dimension

 

Soziale Bewegungen lassen sich als Koalition beschreiben, welche oft nur über einen geringen Organisationsgrad und eine abstrakte kollektive Identität verfügen (Kern 2008: 121).

 

Zusammenlegung von Ressourcen

 

Am Ende der 1960er Jahre entstand die Ressourcenmobilisierungstheorie. In der Folge wurden Protestbewegungen nicht mehr als eine aggressive Masse wahrgenommen, sondern als grösstenteils wohlorganisiertes Unternehmen. Diese neue Perspektive stützte sich dabei auf eine Reihe von Grundannahmen aus der Rational Choice Theorie:

1: Kosten und Nutzen einer Beteiligung werden sorgfältig gegeneinander abgewogen.

2: Protestbewegungen werden von Institutionen und Stiftungen unterstützt.

3: Für die Mobilisierung ist ein Mindestmass an sozialer Koordination erforderlich.

4: Die Kosten für Proteste können durch staatliche Eingriffe vergrössert oder verringert werden (Kern 2008: 122).

 

Mobilisierungsprozesse – im Sinne der Sicherung der für kollektives Handeln erforderlichen Ressourcen (Jenkins 1983: 532) rücken ins Zentrum der Protestforschung. Die Ressourcen lassen sich dabei im weitesten Sinn als Einflusspotenzial definieren, die es ihrem Inhaber ermöglichen, ‘innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen“ (Weber1984:89). Um eine gewünschtes Verhalten durchzusetzen, kommt ein beinahe unbegrenztes Spektrum von Mitteln in Frage. Beispiele sind Geld, Macht, Wissen und Glauben, soziale Beziehungen und Vertrauen usw. (Kern 2008: 123).

Angesichts der unüberschaubaren Vielfalt von Einflussmöglichkeiten überrascht es nicht, dass innerhalb der Protestforschung bisher kein Konsens darüber erzielt wurde, auf welche Ressourcen es im Mobilisierungsprozess besonders ankommt (Snow und Cress 1996; Jenkins 1983).

 

Ressourcen

 

Die Wirkung von Ressourcen hängt davon ab, an welchen menschlichen Handlungsantrieben sie ansetzen. Es lassen sich vier Handlungsantriebe idealtypisch voneinander unterscheiden: instrumenteller Eigennutz, Normkonformität, Identitätsbehauptung und Emotionalität (Kern 2008: 124).

 

Ein wichtiger Ansatzpunkt für Mobilisierungskampagnen ist die Beeinflussung und Stimulierung von starken Emotionen wie Wut, Mitleid, Neid. Folglich versuchen Protestbewegungen oft starke Emotionen wie Ungerechtigkeitsempfinden oder Patriotismus zu stimulieren (Kern 2008: 124). Ein zweiter Ansatzpunkt für die Wirkung der Ressourcen ist die individuelle Identität. Dabei werden Handlungen oder Unterlassungen durch Appelle an die Selbstansprüche einer Person herbeigeführt. Ähnlich wie bei Emotionen gibt es bei Fragen der Identität kein Abwägen zwischen Kosten und Nutzen.

In Mobilisierungsprozesse machen sich Protestbewegungen die Identitätsansprüche  potenzieller Adressaten auf verschiedene Arten zu Nutzen (Kern 2008: 125). Im Idealfall kommt es zu einer maximalen Übereinstimmung zwischen personaler und kollektiver Identität – mit entsprechendem positiven Konsequenzen für das kollektive Handeln (Kern 2008: 125). Ein dritter Ansatzpunkt ist die Normkonformität.  Die Soziale Anerkennung wird an bestimmte Verhaltensweisen innerhalb einer sozialen Bezugsgruppe geknüpft, in die der Einzelne eingebunden ist (Kern 2008: 126).

Der Protestbewegungen über ein breites Repertoire von Ansatzpunkten für Mobilisierungsprozesse. In ihrer Instrumentellen Wirkungsweise lassen sich Ressourcen danach unterscheiden, ob sie auf Belohnung oder Bestrafung setzen (Kern 2008: 127).

 

Generalisierungsniveau: Ressourcen unterscheiden sich auch in räumlichen und sozialen Reichweiten. Die Proteste transportieren das Wissen in aller Regel zwar nicht selbst, im günstigsten Fall werden die Massenmedien dadurch stimuliert. Demgegenüber sind andere Instrumente wie soziale Anerkennung, Missachtung oder Appelle an bestimmte Identitäten in ihrer Reichweite nur auf bestimmte soziale Gruppen und Milieus beschränkt. Folgerichtig hängt die gesellschaftliche Relevanz von Protestbewegungen in hohem Maße von ihrer Fähigkeit ab, die durch Mobilisierung gesicherten Ressourcen in kollektive Handlungen umsetzen, welche politischen und ökonomischen Veränderungsdruck erzeugen (Kern 2008: 128).

 

Bewegungsorganisation

 

Waren Protesthandlungen früher zumeist nur wenig koordiniert und von zeitlich begrenzter Dauer, so haben wir es heute mit gut organisierten und oft langanhaltenden Protestwelle zu tun. Der Siegeszug der formalen Bewegungsorganisation resultiert dabei zum einen aus der voranschreitenden Rationalisierung von sozialen Beziehungen im Prozess der Modernisierung, zum anderen verbesserten sich mit den Massenmedien auch die Mobilisierungsbedingungen (Kern 2008: 128).

 

Organisationsstrukturen

 

In der Protestforschung werden generell zwei Typen von Organisation unterschieden. Isolierte Bewegungsorganisationen verfügen über keine Niederlassung, sondern unterhalten über Briefe oder Emails eine direkte Beziehung zu ihrer grösstenteils isolierten Mitgliedbasis. Ein bekanntes Beispiel für diesen Organisationstyp ist Greenpeace (Kern 2008: 129).

Föderale Bewegungsorganisationen stützen ein Geflecht von lokalen Einrichtungen einer Gruppe. Die Bandbreite reicht von losen Netzwerken bis zu hierarchischen Strukturen (Kern 2008: 129).

 

Wandel des Bewegungssektors

 

Eine zentrale These der Ressourcenmobilisierungstheorie zufolge fliessen mit zunehmendem Wohlstandswachstum auch mehr Ressourcen in den Bewegungssektor. Das heisst, die Menschen können mehr Einkommen und Freizeit in soziales Engagement investieren (Kern 2008: 130).

Als eine zweite Folge des Ressourcenwachstums wurde innerhalb des Bewegungssektors ein starker Trend zur funktionalen Spezifizierung angestossen.

Eine dritte Folge des Ressourcenwachstums besteht in der zunehmenden Steigerung organisatorischer Komplexität (Kern 2008: 131).

Einbettung des Bewegungssektors in der Gesellschaft:

Der Bewegungssektor bildet ein ausgebildetes Konfliktsystem, das über ein Netz von intensiven Austauschbeziehungen mit einer Vielzahl von Organisationen inner- und ausserhalb der primären funktionalen Teilsysteme verflochten ist (Kern 2008: 131).

Als Koalitionspartner kommen dabei keinesfalls nur andere Bewegungsorganisationen in Fragen, sondern auch Lobbygruppen, Entwicklungsorganisationen, Parteien, Eliten und Massenmedien. Diese Beziehungen sind für den Erfolg einer Bewegung oftmals entscheidend (Kern 2008: 132).

 

Koalitionen zwischen Bewegungsorganisationen und Nicht-Bewegungsorganisationen sind dabei oft von kurzer Dauer und keinesfalls immer von Harmonie geprägt.

Dabei lassen sich drei grundlegende Formen der Interaktion unterscheiden: Kooperation, Wettbewerb und Konflikt (Ruch 2004: 206-210).

 

Bewegungsorganisationen haben aber nicht nur mit Bündnispartnern zu tun. In vielen Fällen sind sie mit einflussreichen Gegnern konfrontiert, die ihre Zielverfolgungen behindern. Die Intensität der Konflikte kann sich über relativ harmlose Diskussionen und Debatten bis hin zu Sachbeschädigung, Gewalt und Mord erstrecken. Das Ausmass an Repression ist in Demokratie deutlich gering, dennoch verfügen auch sie über ein breites Repertoire zur Unterdrückung von Prosteten. Beispielsweise während der gewalttätigen Unruhen in Frankreich 2005, rief die Regierung den Ausnahmezustand aus und verhängte ein Ausgansverbot (Kern 2008: 134).

Solange beide Seiten nicht direkt miteinander verhandeln, folgt die Interaktionsdynamik der Logik einseitiges Handeln. Dabei kommt es darauf an, dass im „richtigen“ Moment die „richtigen“ Register gezogen werden, um den Widerstand der anderen Seite zu brechen. Im Extremfall kann auf diese Weise jedoch eine Eskalation der Gewalt in Gang gesetzt werden, die in einer Revolution endet (Tilly 1999).

 

Protestkampagnen und Protestwellen

 

Organisationen sind ein wichtiger Bestandteil von Protestbewegungen. Dennoch wäre es ein Fehler, Protestbewegungen auf ein Organisationsbündnis zu reduzieren. Während Organisation gerade darin besteht, dass der Organisationszweck und die Mitgliedschaftsmotivation voneinander getrennt werden, zielen soziale Bewegungen auf die Aufhebung solcher Unterschiede. Die Akteure sollen durch Appell an Emotionen, Identitäten und Normvorstellungen zur Selbstbindung an die kollektiven Ziele bewegt werden (Kern 2008: 134).

 

Da die Identifikation jedoch unterschiedlich stark Ausgeprägt ist, kommen an dieser Stelle Kampagnen ins Spiel:

Über Kampagnen verfolgen Protestbewegungen somit nicht nur bestimmte politische oder kulturelle Ziele, sondern leisten auch die Einbindung nicht-organisierter Gruppen von Sympathisanten aus der Bevölkerung in die Bewegung (Kern 2008: 134).

Die Ausbreitung einer Kampagne kann als Diffusionsprozess beschrieben werden. Dies meint die Ausbreitung von Kommunikation. Im Mittelpunkt steht die Frage, durch welche Kanäle die Inhalte wie Ideen, Überzeugungen sich über eine Population hinweg ausbreiten (Kern 2008: 135). Bedingung für eine erfolgreiche Kampagne ist die Erreichbarkeit potenzialer Adressaten (Kern 2008: 136). Die Forschung unterscheidet dabei zwischen direkten und indirekten Verbreitungskanälen. Im direkten Verbreitungskanal fliesst die Kommunikation über face-to-face Kontakte. In der modernen Gesellschaft wird diese Funktion hingegen zunehmend von national und global operierenden Massenmedien wie Radio, TV und Internet ausgefüllt (Kern 2008: 136). Viele Kampagnen benutzen dabei gleichermaßen direkte und indirekte Verbreitungskanäle.

 

Protestwellen

 

Sobald mehrere Kampagnen sich über einen längeren Zeitraum hinweg wechselseitig überlagern und es mehrere Sektoren der Gesellschaft zu einem erhöhten Mass an Unruhen und Konflikten kommt, handelt es sich um Protestwellen (Tarrow 1994:153) Das Protesthandeln überschreitet dabei den Horizont einzelner Kampagnen, Organisationen oder Bewegungen und erfasst weite Teile der Bevölkerung (Kern 2008: 136).

 

In der Forschung wird versucht, die verschiedenen Stadien im Verlauf der Protestwellen zu beschreiben (Kern 2008: 138).

 

Mechanismen der Expansion: Um eine Protestwelle in Gang zu setzen, bedarf es der Herausforderung durch neue Taktiken, Organisationsformen oder Deutungsmuster: Als neues Kommunikationsmedium eröffnet das Internet Protestbewegungen unvorstellbare Koordinationsmöglichkeiten. Auch durch Innovationen verschärft sich der Wettbewerb wodurch die Expansion einer Protestwelle weiter angeheizt werden kann (Kern 2008: 138f.).

 

Mechanismen der Transformation: Je weiter eine Protestwelle voranschreite, desto schwieriger vorhersehbar ist der zukünftige Verlauf der Ereignisse. In Zeiten des Protests ist die „ Ordnung“ außer Kraft gesetzt. Da die Akteure sich nicht mehr auf ihre Ordnung verlassen können, sind sie gezwungen, ihre Strategien der neuen Situation fortwährend anzupassen. Die einfache Strategie liegt dabei in Kopieren von erfolgreichen Strategien, die sich bewährt zu haben scheinen (Kern 2008: 139).

Der Verlauf einer Protestwelle ist aber nicht allein dadurch zu erklären. Angesicht der Nichtwiederholbarkeit und Zufälligkeit von Ereignissen Zeichen Protestwellen sich in hohem Mass durch Pfadabhängigkeit aus (Kern 2008: 140).

Pfadabhängigkeiten sind dadurch gegenzeichnet, dass frühere Ereignisse einen größeren Einfluss als spätere haben. Der eingeschlagene Pfad wird mit der Zeit immer schwerer zu verändern ist, die Auswirkungen von früheren Ereignissen dauerhaft spürbar bleiben und am eingeschlagenen Weg festgehalten wird (Pierson 2004). Gerade unter der Bedingung politischer Instabilitäten haben Fehler, falsche Einschätzungen und Missverständnisse oft eine grössere Wirkung als in normalen Zeiten (Kern 2008: 140).

 

Mechanismen der Kontraktion: Das Abklingen der Protestwelle ist schwierig zu erforschen. Ein generelles Argument lautet, dass Proteste die Normalität ausser Kraft setzen und für die Teilnehmer dadurch hohe Kosten entstehen, die irgendwann wieder zum Rückgang führen müssen. Warum aber einige Protestwellen sehr schnell wieder abklingen, ist aber dadurch nicht erklärt. Als mögliche Erklärung werden zwei Mechanismen genannt: Restabilisierung und Konfliktmediation (Kern 2008: 140).

In der Restabilisierung pendelt sich im Austausch zwischen den Akteuren zunehmend Routine ein. Im zweiten Fall wird der Konflikt einem Vermittlungsverfahren unterworfen. Die Konfliktregelung wird dabei einer dritten Instanz übertragen, deren Legitimität von keiner der Parteien in Zweifel gezogen wird (Kern 2008: 141).

 

Framing

 

Um soziale Bewegungen zu analysieren ist das Entwickeln von Problemdiagnosen (diognostig framing), das Angebot von Lösungen (prognostic framing) und nicht zuletzt die Ausarbeitung von Motivationsstrategien (motivational framing) für Sympathisanten notwendig. (Kern 2008: 142). Dieser Framing-Ansatz eignet sich gut, um die sachlichen und sozialen Aspekte von Protesten zu erfassen, lässt aber die zeitliche Dimension und somit die Herstellung eines kollektiven Gedächtnisses ausser Acht. Gerade dieser Punkt ist jedoch sehr wichtig, da es sich dabei um einen zentralen Punkt der Konsens- und Handlungsmobilisierung handelt. Folglich muss in der Analyse die Konstruktion eines Kollektiven Gedächtnisses (memory framing) miteingezogen werden (Kern 2008: 143).

 

Der Begriff diagnostic framing bezieht sich auf die Identifikation von Problemen und ihren Ursachen. Dabei liegt der Fokus darauf, Verantwortliche für die aktuellen Probleme zu ermitteln. Durch die grosse Vielfalt an Akteuren innerhalb einer sozialen Bewegung, ist es schwierig, sich auf einen Problemursprung zu einigen (Kern 2008: 143).

 

Der Begriff prognostic framing bezieht sich auf die Entwicklung von Problemlösungen. Für ein glaubwürdiges Auftreten muss die soziale Bewegung eine Vision haben, wie das diognostizierte Problem gelöst werden kann. Auch hier handelt es sich bei der Ausarbeitung einer einheitlichen Meinung um komplizierte Aushandlungsprozesse (Kern 2008: 144).

 

Der Begriff motivational framing bezieht sich auf die Entwicklung von Anreizen für gemeinsames Protesthandeln. Ein Konsens über die Problemursache und deren Lösung reicht noch nicht aus, um eine kollektive Handlung loszutreten. Für eine erfolgreiche Mobilisierung sind Anreize wie Anerkennung, Solidarität und moralische Appelle vonnöten (Kern 2008: 145).

 

Der Begriff memory framing bezieht sich auf die Entwicklung eines kollektiven Gedächtnisses. In einer sozialen Interaktion werden immer bestimmte Realitätsannahmen vorausgesetzt, die den Kontext vorgeben, durch den eine neue Information interpretiert und eingeordnet werden kann. Dieser Rahmen wird durch das kollektive Gedächtnis bereitgestellt. Dieses dient einerseits als Vergangenheitshorizont, welcher die Interpretation der Gegenwart ermöglicht (Reflexionsfunktion). Andererseits überliefert es Erfahrungen, Werte und Normen für die Lösung von Gegenwartsproblemen (Orientierungsfunktion) (Kern 2008: 145).

 

Framing-Strategien

 

Die Ziele einer Protestbewegung sind das Hinweisen auf einen Problemverhalt, das Einbringen von alternativen Lösungsvorschlägen in der Öffentlichkeit, sowie das Mobilisieren von neuen Mitgliedern. Nach einer Studie von Snow nutzen soziale Bewegungen hierzu vier Framingstrategien. (Kern 2008: 146).

 

  1. Die systematische Verknüpfung von gegenseitig ideologisch anschlussfähigen, aber bisher nicht verbundenen Deutungsrahmen (frame bridging) steht am Anfang einer transnationalen globalisierungskritischen Bewegung, die sich aus unterschiedlichen Strängen und verschiedenen regionalen Problemhorizonten heraus entwickelte (Kern 2008: 147).
  2. Die Hervorhebung und Verstärkung ausgewählter Inhalte (frame amplification) vergrössert die kulturelle Resonanz und damit das Mobilisierungspotenzial eines Deutungsrahmens. Dabei ist es hilfreich, Anschluss an Symbole, Werte und Mythen eines Kollektivs zu suchen (Kern 2008: 147).
  3. Mit der Ausdehnung eines Interpretationsrahmens (frame extension) werden inhaltliche Themen, welche in der Vergangenheit in den Hintergrund getreten sind neu betont, um die Zielgruppe zu erweitern (Kern 2008: 148).
  4. Die Umdeutung von Deutungsmustern (frame transformation) hilft bei der Durchsetzung von neuen Überzeugungen, die sich evtl. widersprüchlich zu den vorherrschenden Wertvorstellungen einer Gesellschaft verhalten (Kern 2008: 148).

Master Frames

Normalerweise spricht das Framing kollektiver Protesthandlungen nur spezifische Gruppen an. Wenn der Interpretationsrahmen sich nicht nur auf diese Gruppen einschränkt und auch für andere Gruppen relevant wird, handelt es sich um ein Master Frame. Wie auch die herkömmlichen Protestrahmen haben Master Frames die Funktion der Punktierung, Attribution und Artikulierung von Wahrnehmungen. Darüber hinaus sind sie aber wichtig bei der Bildung von übergreifenden Protestkoalitionen, da sie allgemeiner formuliert sind. (Kern 2008: 149). Somit sind sie in der Lage einen gemeinsamen ideologischen Nenner für viele Gruppen und die Ausgangsbasis für kollektives Protesthandeln herzustellen. Insbesondere von Belang ist dies bei Protesten, an welchen mehrere Gruppierungen mit unterschiedlichen Interessen und Zielen beteiligt sind. (Kern 2008: 150).

Frames ermöglichen nicht nur verschiedene Taktiken einer Protestbewegung, sondern schränken diese zugleich auch ein. Durch die Idee einer globalen Solidarität ist prinzipiell keine Form der ethnischen, sexuellen oder religiösen Diskriminierung möglich. (Kern 2008: 151).

Gelegenheitsstrukturen

 

Laut Jon Elter ist menschliches Handeln durch individuelle Präferenzen und die wahrgenommenen Handlungsmöglichkeiten („opportunity set“) innerhalb eines gegebenen sozialen Kontexts bestimmt. Das Konzept von politischen Gelegenheitsstrukturen entstand in den 1970ern als optimiertes Gegenmodell zur Ressourcenmobilisierungstheorie, die sich hauptsächlich mit Präferenzen und Strategien von Protestbewegungen beschäftigte (Kern 2008: 152).

 

Klassisches Konzept der politischen Gelegenheitsstrukturen:

 

Anders als bei Ressourcenmobilisierungs- und Framingtheorien, bei welchen primär „Pushfaktoren“ der Protestmobilisierung im Mittelpunkt stehen, konzentriert sich das Konzept der politischen Gelegenheitstrukturen vor allem auf die „Pullfaktoren“. Dabei geht es um die Chancen einer Gruppe, ihre Forderungen gegenüber staatlichen Autoritäten durchzusetzen. Die Ziele, Strategien und Taktiken von Protestbewegungen sind in einem Politischen Kontext eingebettet, dessen Strukturen sich auf die Mobilisierung von Protest auswirken können (Kern 2008: 153).

Das Konzept der politischen Gelegenheitsstrukturen ist insofern beschränkt, als es die staatlichen Rahmenbedingungen in den Mittelpunkt stellt und dabei Gegenbewegungen, ökonomische Entwicklungen, kulturelle Traditionen oder soziodemographische Trends vernachlässigt. Durch den Fokus auf institutionelle Gelegenheiten und Beschränkungen für kollektives Protesthandeln, geht vergessen, dass Drohungen und repressive Maßnahmen von Gegnern Proteste auch anheizen und ihre Erfolgschancen verbessern können. Des Weiteren führt die Konzentration auf allgemeine strukturelle Bedingungen dazu, dass zwischen unterschiedlichen Mobilisierungs- und Erfolgschancen von Protesten (etwa der Schwulen-, Frauen-, Ökologie- oder Arbeiterbewegung) nicht differenziert wird (Kern 2008: 154).

 

 

Die Öffentlichkeit als Handlungsfeld

 

Für soziale Bewegungen mobilisieren Bevölkerungsgruppen, die sich in der Öffentlichkeit nicht hinreichend vertreten fühlen. Die Proteste haben somit den Zweck, die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Themen der sozialen Bewegung zu lenken. Unter der Öffentlichkeit wird ein Forum verstanden, in welchem ein Sprecher einem Publikum gegenübersteht, dessen Grenzen ihm nicht ersichtlich sind. Damit hat er auch keine Kontrolle über die Reichweite und Wirkung seiner Aussagen (Kern 2008: 155).

Soziale Bewegungen bewegen sich auf einer öffentlichen Bühne, mithilfe welcher sie ihre Botschaften kommunizieren und Anhänger mobilisieren können. Somit kommt die Öffentlichkeit ins Spiel um soziale Bindungen herzustellen und Überzeugungen zu mobilisieren (Kern 2008: 157).

 

Soziale Bewegungen sind jedoch nicht die einzigen Akteure im öffentlichen Raum, sondern in ein Geflecht verschiedener Beziehungen eingebunden. Ihr Erfolg ist somit auch vom strategischen Verhalten der Mitakteure abhängig. Das „opportunity set“ einer Bewegung besteht aus drei Punkten (Kern 2008: 157).

 

  1. Ein institutioneller Rahmen strukturiert die offenen Handlungsverläufe der Akteure.
  2. Kulturelle Deutungsmuster helfen den Akteuren, ihre Erfahrungen zu interpretieren.
  3. Die anderen Akteure können Einfluss auf die Zielverfolgung sozialer Bewegungen nehmen.

 

Regulative und kommunikative Infrastruktur des öffentlichen Raums

 

Die Form und Struktur der zivilen Sphäre wird in modernen Gesellschaft von den drei Teilsystemen Massenmedien, Politik und Recht bestimmt. Die Massenmedien stellen dabei die kommunikative Infrastruktur für öffentliche Diskussionen bereit, während Politik und Recht die regulativen Rahmenbedingungen bestimmen. Die Aufgabe des politischen Systems besteht dabei in der Übersetzung von zivilgesellschaftlichen Diskursen in verbindliche Entscheidung, während das Rechtssystem den öffentlichen Raum vor staatlicher Gewalt schützen soll. Die Entstehung einer zivilen Sphäre ist jedoch nicht von der Existenz demokratischer Strukturen abhängig, sondern bestehen mehr oder weniger auch in autoritären Staaten. (Kern 2008: 158).

Ausgangspunkt für die Entstehung einer zivilen Sphäre ist die Ausdifferenzierung des politischen Teilsystems. Im Gegensatz zu traditionellen Gesellschaften, in welchen die Eliten ihre Autorität über die Religion legitimieren konnten, müssen mit der Säkularisierung der Gesellschaft neue Formen der politischen Legitimation gefunden werden. Die Stabilste Lösung bietet hierzu die Demokratie. Damit das staatliche Gewaltmonopol nicht extreme Formen annimmt, wird die Gesellschaft durch die Verfassung von Gefährdungen durch das politische System geschützt. Diese institutionellen Voraussetzungen ermöglichen erst freie Entfaltung öffentlicher Diskurse. (Kern 2008: 159).

 

In der Folge formt sich ein politischer Machtkreislauf aus drei Komponenten, in dem die Öffentlichkeit das zentrale Bindeglied zwischen dem Staat und den Bürgern bildet (Kern 2008: 159).

  1. Der Staat aus Parlament, Regierung und Verwaltung organisiert die Bereitstellung kollektiv verbindlicher Entscheidungen (Kern 2008: 160).
  2. In der Öffentlichkeit entfaltet sich der Wettbewerb zwischen Programmen, Themen und Personen im Hinblick auf gesellschaftliche Konsenschancen und den Aufbau politischer Macht (Kern 2008: 160).
  3. Die Wähler sollen schließlich die Gesetze anerkennen und über ihre Teilnahme an demokratischen Wahlen wiederum staatliche Entscheidungen legitimieren (Kern 2008: 160).

Je weiter diese drei Komponenten voneinander entfernt sind, desto deutlicher sichtbar werden die Konturen eines kreisförmigen Machtprozesses und mit desto mehr Berechtigung kann von einer Demokratie gesprochen werden. Die Qualität eines demokratischen Gemeinwesens ist von der Unabhängigkeit des öffentlichen Raums abhängig. Erst durch die Festschreibung der Gleichberechtigung, Menschenrechte und Kommunikationsfreiheit erhält die Öffentlichkeit jenes Mass an Autonomie, das für die freie individuelle Selbstdarstellung notwendig ist (Kern 2008: 160). Die Unabhängigkeit der zivilen Sphäre ist keine Selbstverständlichkeit, sondern muss immer wieder neu verteidigt werden. Dabei ist sie auf die kommunikative Infrastruktur angewiesen und somit auch auf die Massenmedien (Kern 2008: 161).

Massenmedien

Durch leistungsfähige Verbreitungsmedien haben sich die Möglichkeiten für Darstellungen von Sinnformen erweitert und das Potenzial für deren Verbreitung ist gewachsen. Buchdruck, Telekommunikation, Radio und Internet haben eine Reichweite, welche sich der zentralen Steuerung durch Autoritäten entzieht (Kern 2008: 161). Die Massenmedien eröffnen neue Möglichkeiten der Koordination, von welchen soziale Bewegungen stark profitieren können. Deswegen ist der Zugang zu den Massenmedien ein wesentliches Element ihrer Gelegenheitsstruktur (Kern 2008: 162) und sie müssen folglich ihre Themen passend inszenieren.

Die Freiheit des öffentlichen Diskurses kann einerseits von staatlicher Seite bedroht werden, aber auch die Konzentration von Besitzverhältnissen stellt für sie ein Risiko dar. Die Konzentrationstendenzen in der Medienindustrie bringt die Vielfalt der Medien in Gefahr und ermöglicht den Eigentümern, Investoren, Managern etc. eine Beeinflussung der Inhalte. (Kern 2008: 163) Mit dem Kampf um Quoten gewinnt in den Inhalten zusätzlich der Unterhaltungsfaktor an Bedeutung und die Selektion der Themen richtet sich nicht mehr nach deren Relevanz (Kern 2008: 164).

Kulturelle Rahmenbedingungen sozialer Bewegungen

 

Das Ziel von sozialen Bewegungen besteht in der Mobilisierung einer möglichst breiten Anhängerschaft für ein bestimmtes Anliegen. Nicht in jedem kulturellen Umfeld stossen die Problemdeutungen auf die gleiche Resonanz, weshalb sich die Frage stellt, in welcher Form die kulturellen Rahmenbedingungen dem Mobilisierungserfolg einer sozialen Bewegung Grenzen setzten. Dabei stehen spezifische gesellschaftliche Erzählungen, Mythen, Rituale und Symbole im Vordergrund, welche die sozialen Bewegungen für einen Mobilisierungserfolg mit ihrem Deutungsangebot verbinden müssen. Proteste trennen die Gesellschaft in zwei Fronten, jene der Protestierenden und jene, gegen welche sich der Protest richtet. Die Protestierenden treten dabei mit dem Anspruch auf, das Gemeinwohl zu verfolgen und machen dabei oft einen moralische Übelegenheitsanspruch geltend (Kern 2008: 165). Dabei kann prinzipiell jedes Zeichen zu einem kollektiv geteilten Symbol werden. Universalistische Codes kollektiver Identität sind im Allgemeinen dadurch charakterisiert, dass „alle Außenseiter als potenzielle Mitglieder“ betrachtet werden (Kern 2008: 166).

 

Akteurkonstellationen

 

Die zivile Sphäre bildet einen öffentlichen Raum, in dem soziale Bewegungen Aufmerksamkeit auf Gruppen lenken können, die sich als unterrepräsentiert erachten. Dabei treffen sie auf viele Akteure, welche sich förderlich oder hindernd auf ein kollektives Protesthandeln einwirken können. Dies schliesst unter anderem Gegenbewegungen und Organisationen mit ein, welche sich bereits im öffentlichen Raum etabliert haben. Weiter gibt es Parteien, Gewerkschaften, Kirchen etc. welche sich in der Öffentlichkeit für bestimmte Anliegen engagieren (Kern 2008: 170).

Im öffentlichen Raum gibt es Themenspezifisch unterschiedliche Arten, wie entgegengesetzte Bewegungen miteinander umgehen können. Entweder sie versuchen jeweils mehr Mitglieder zu mobilisieren um die Gegenseite zu blockieren oder sie gehen eine Koalition ein. Dafür müssen die Präferenzen der Akteure nicht vollständig übereinstimmen, sondern es reicht oft schon ein Minimum an sozialen Gemeinsamkeiten für eine Kooperation. Koalitionen bilden sich oft aufgrund ökonomischer oder politischer Konflikte. (Kern 2008: 171). Durch wechselnde Konstellationen in Ökonomie und Politik ergeben sich interessante Bündnissmöglichkeiten für Protestbewegungen. Das Kräfteverhältniss zwischen den Koalitionen bestimmt dabei den weiteren Verlauf der Bewegung. Wenn die gegnerische Kraft stärker ist, kann sich keine effektive Protestbewegung formieren. Überwiegt hingegen die Protestkoalition und ihre Forderungen werden als legitim eingestuft, hat sie eine hohe Resonanz (Kern 2008: 172).

Neben den Bündnismöglichkeiten und der kulturellen Resonanz nimmt auch die Reaktion des Staates Einfluss auf die Resonanz in der Öffentlichkeit. Akzeptiert der Staat die Proteste, kann eine starke Resonanz entstehen, während ihre Entwicklung sich andernfalls nicht über die Grenzen eines bestimmten soziokulturellen Milieus hinausentwickeln kann. Wenn der Staat aber Repressiv reagiert sind zwei Szenarien möglich. Erstens kann es bei schwacher, inkonsistenter Repression und grosser kultureller Resonanz kann es zu einer Revolution kommen. Ist die Resonanz jedoch gering ist die Bildung von isolierten Terroristengruppen möglich. Zweitens ist bei starker und konsistenter Repression mit hoher kultureller Resonanz die Wahrscheinlichkeit von Protesten gering, aber das Herrschaftssystem bleibt dauerhaft instabil. Ist hierbei die kulturelle Resonanz gering, kann die Bewegung sich nicht entwickeln (Kern 2008: 172).

 

 

 

 

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